
Alp-Tage
Dienstag, 28. April 2026
Der Älpler fährt sein Hab und Gut vom Winterquartier zur Alp Müser. Nach der Ankunft zieht er das letzte Mal die Fahne hoch. Ab nächsten Sommer wird jemand anders diese Alp bewirtschaften. Anschliessend richtet er den Wohnbereich und Stall ein. Kusi, der Bruder des Älplers, trifft ein und unterstützt ihn in den nächsten Tagen bei den Vorbereitungen.
Mittwoch, 29. April 2026
Heute liegt der Schwerpunkt beim Zäunen. Es werden defekte Pfähle und Isolatoren ersetzt. Die blauen Zaunbänder werden mit dem Haspel abgerollt und in die Isolatoren gelegt. Die im Herbst heruntergelegten Aludrähte und Zaunseile werden aufgenommen und ebenso bei den Isolatoren eingehängt und gespannt.
Donnerstag, 30. April 2026
Die Arbeit vom Vortag wiederholt sich. Am Abend ist die ganze Alpfläche eingezäunt.
Freitag, 1. Mai 2026
Am heutigen Tag werden die sieben Tränkeplätze fit gemacht. Noch vor dem späten Nachtessen werden die Holzbänke für die Wanderer zusammengestellt.
Samstag, 2. Mai 2026
Vormittags werden einige Maschinen montiert und kontrolliert. Nach diesen Vorbereitungstagen wird klar, dass es für den Wachstum des Futters noch einige Liter Regenwasser braucht. Zurzeit sind alle elf Weiden sehr trocken.
Samstag, 9. Mai 2026
Heute beginnt für die Herde (7 Kühe, 2 Rinder, 7 Kälber, 1 Stier) des Bauern Zimmermann die Alpsaison. Um 08:30 Uhr kommen mit dem ersten Transporter jene Mutterkühe, welche schon einige Jahre hier gesömmert haben. Nach dem Ausstieg gab es bei ihnen keine grosse Verwunderung. Sie erkannten sowohl die Gegend als auch den Älpler auf Anhieb.
Dienstag, 12. Mai 2026
Letzte Nacht besuchte Frau Holle die Alp Müser. Trotz diesem Schneeteppich sind die Tiere eifrig am Grasen.
Donnerstag, 14. Mai 2026
Das Wetter auf der Müseralp ist echt vielseitig. Kurz vor dem Mittag gab es einen Hagelschauer. Dies veranlasste die Tiere eiligst unter den Bäumen Schutz zu suchen.
Samstag, 16. Mai 2026
Heute treffen weitere Tiere ein. Um 10:15 Uhr betreten die Wagyu-Herde (3 Mutterkühe, 4 Rinder, 3 Kälber) des Bauern Barmettler und um 11:40 Uhr die Herde (11 Mutterkühe, 6 Kälber) des Bauern Marti den Boden der Alp Müser. Jene Tiere, welche das erste Mal hier sömmern, zeigen sich von der Umgebung etwas irritiert. Sie laufen unruhig hin und her. Wegen einer Panne muss ein Transporter über das Wochenende neben dem Eingang abgestellt werden. Ab und zu gibt es vor diesem eine Tierversammlung, da einige annehmen, es gehe wieder nach Hause.
Pfingstsonntag, 24. Mai 2026
Heute Nachmittag wurden die drei Herden zusammengeführt. Bis jetzt waren die Tiere des Bauern Zimmermann einerseits und andererseits die Tiere der Bauern Marti und Barmettler separat am Weiden. Für einige Mutterkühe gab es ein Wiedersehen, da sie sich von der letzten Alpsaison her kannten. Seit vielen Jahren sind heuer die Tiere von drei anstatt zwei Ställen gemeinsam auf der Alp Müser. Somit dauerten die Hierarchiekämpfe beim Aufeinandertreffen etwas länger als sonst.
Montag, 1. Juni 2026
Das warme Wetter der letzten beiden Wochen förderte das Wachstum der Disteln extrem. Auf der Alp Müser gibt es fünf verschiedene Distelarten. Es sind dies: Sumpf-Kratzdistel, Acker-Kratzdistel, Lanzett-Kratzdistel, Alpen Distel und Raue Gänsedistel. Damit sich diese nicht weiter ausbreiten, müssen sie möglichst am Anfang des Wachstums bekämpft werden. Somit wird der Älpler voraussichtlich während des ganzen Monats Juni täglich mehrere Stunden mit dieser Arbeit verbringen; dies nebst der Tierbetreuung und den Weidewechseln.
Donnerstag, 4. Juni 2026
Die Mutterkuh Bianca hat an den vorderen Zitzen eine Infektion. Der Bauer aus Weggis holt sie und ihre beiden Kälber mit dem Tiertransporter ab, um sie im Tal zu pflegen.
Sonntag, 7. Juni 2026
Auch die Mutterkuh Amy hat bei einer Zitze Probleme. Um ihr den weiten Transport auf den Hof im Kanton Aargau zu ersparen, wird sie auf der Alp medizinisch versorgt.
Donnerstag, 18. Juni 2026
Am späten Nachmittag fand bei der Jädhütte die alljährliche Alpsegnung statt. Anwesend waren der Pastoralraumleiter, mehrere Mitglieder des Korporationsrates, die Pächterfamilie, die Familie der Jädhütte und der Älpler der Müseralp. Wahrlich eine schöne Tradition, welche unbedingt erhalten werden muss!
Freitag, 19. Juni 2026
Kurz vor dem Mittag gebar die Mutterkuh mit dem Namen Blum ein Kuhkalb. Es war zum Glück eine problemlose Geburt mit einem gesunden Kalb. Dieses bekommt den Namen Belinde. Am Abend trottete die kleine Belinda bereits hinter der Mutter nach, den Steilhang zur Jädegg hoch.
Samstag, 20. Juni 2026
Am Nachmittag stellte der Älpler fest, dass das neugeboren Kalb nicht bei der Mutter ist. Bei der Suche nach ihm fand er Belinda zirka 200 m von der Mutter entfernt oben im Wald. Es war nicht klar, ob das Kalb seit der Geburt genügend Biestmilch erhalten hat. Für ein neugeborenes Kalb ist es sehr wichtig, dass es in den ersten sechs Lebensstunden genügend Biestmilch aufnehmen kann. Diese Erstmilch stärkt die Abwehrstoffe und baut das Immunsystem auf. Aus diesem Grund wurden Mutter und Kalb eingestallt. Kalb Belinda wurden dort Biestmilch und ‚Eisen‘ verabreicht. Damit das Kalb guten Zugang zum Muttertier hat, werden beide Tiere vorerst im Stall bleiben.
Donnerstag, 25. Juni 2026
Am Abend werden die Mutterkuh Bianca sowie die Kälber Blippi und Ragusa vom Heimbetrieb zurück zur Alp gefahren. Die medizinische Behandlung bei der Mutterkuh brachte den gewünschten Erfolg.
Freitag, 26. Juni 2026
Die Mutterkuh Blum und ihr Kalb Belinda werden am späten Nachmittag wieder in die Herde integriert. Sie waren seit letztem Sonntag alleine im Stall, unterbrochen durch sporadische Weidegänge. Die anfänglich fehlende Bindung zwischen Kuh und Kalb entwickelte sich während dieser Zeit stark. Jetzt ist die Chance gross, dass die Kuh besser auf ihr Kalb achtet und es nicht wieder irgendwo zurücklässt.
Samstag, 27. Juni 2026
In der untersten Weide können die Tiere ihren Durst mit Wasser aus dem Bach stillen. Wegen der Trockenheit führt dieser seit heute Morgen kein Wasser mehr. Deshalb muss die Herde bereits nach einem Tag die Weide wechseln.